Links Kontakt Impressum Newsletter Startseite
Geschichten & Märchen Glas Holz Termine Über uns Downloads

Glasmacherzeichen

Seit Jahrtausenden bemühen sich Menschen, Glas in herausragender Qualität zu erzeugen und so formschöne Gebrauchs- und Kunstgegenstände herzustellen. Das alte Glasmacherzeichen und der bekannte Hüttenspruch «Es ist ein unendlich Kreuz, ein gutes Glas zu machen» symbolisieren die Mühe, die hinter der Glasproduktion stecken. Auch in der modernen Glaskunst sind die archaischen Ursprünge der Glasproduktion deutlich spürbar und ein Teil der Faszination für diesen Werkstoff - einem Produkt aus Feuer, Wasser, Erde und Luft - mag auch daher rühren.

Nachstehend haben wir einige Informationen für Sie zum Thema «Glas» zusammengetragen. Die Einen sind wissenschaftlich belegt, andere gehören in die Rubrik «so sagt man», aber spannend sind die Informationen auf jeden Fall!

3500 v.Chr.

Die ersten durch Menschen produzierten Objekte aus Glas, hauptsächlich Glasperlen, sind auf 3500 v. Chr. datierbar und wurden in Ägypten und dem östlichen Teil von Mesopotamien gefunden. Ca. 3000 v. Chr. wurde in zentral Mesopotamien eine ursprüngliche Form von Glas für die Herstellung einer glasartigen Schicht auf Töpfen und Vasen benutzt. Die Entdeckung und die Anwendung von Glas als Glasur könnte rein zufällig zustande gekommen sein. Kalkhaltiger Sand benutzt in einem überhitzten Ofen, formte durch das Hinzufügen von Soda eine farbige glasartige Schicht auf der Tonware. Zu der Zeit waren es vor allem die phönizischen Kaufleute und Seefahrer, die diese Entdeckung im Gebiet um das Mittelmeer verbreiteten.

1600 v.Chr.

Um ca. 1600 v. Chr. konnte Glas als eigenständiger Werkstoff im ägyptisch-syrischen Raum zur Herstellung von Hohlgefässen verwendet werden. Tonhaltiger Sand wurde zum Kern des künftigen Gefässes geformt und mit Glas überzogen. Entweder durch Eintauchen des Sandkerns in die Glasschmelze oder durch kontinuierliches Umwickeln des Kerns mit hochviskosen Glasfäden, die auch schon unterschiedliche Farbe aufweisen konnten, bildete sich das Gefäss. Nach der langsamen Kühlung in einem Fach des Ofens wurde der Sandkern entfernt und ein wertvolles Hohlgefäss war geschaffen.

650 v.Chr.

Die älteste Beschreibung des Glasmachens stammt unglaublicherweise aus einem Zeitraum um 650 v. Chr. Die Anweisungen, wie Glas gemacht wird, befinden sich auf einer Tafel aus der Bibliothek des assyrischen Königs ­Ashurbanipal (669 - 626 v. Chr.).

Die Tontafel enthält Keilschrifttexte mit Glasrezepten, von denen das älteste in etwa so lautet: «Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen, 5 Teile Kreide - und Du erhältst Glas». Dieser Glassatz, wie der Fachmann sagen würde, enthält auch alle heute noch verwendeten wesentlichen Rohstoffe, wenn auch in groben Mengenverhältnissen. Der niedrige Anteil an Sand lässt jedoch darauf ­schliessen, dass man selbst um die Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts noch keine hohen Schmelztemperaturen erreichte und nur weiches Glas zu fertigen vermochte.

27 v.Chr.

Die Entdeckung, dass Glas mittels eines Rohrs geblasen werden kann, wird den syrischen Handwerksleuten aus der Region von Sidon/Babylon, zwischen 27 v. Chr. und 14 n. Chr. zugeschrieben. Die Form des zum Glasblasen benutzten Rohres hat sich seitdem kaum geändert. Die Römer waren es, die im 1. Jahrhundert v. Chr. zuerst Glas in eine Form geblasen haben. Dies ermöglichte es, eine Vielzahl verschiedener Formen herzustellen.

«Jahr Null»

Die Erfindung der Glasmacherpfeife, so wie wir sie heute noch kennen, soll um die Zeitenwende an der syrisch-palästinensischen Küste stattgefunden haben. Jetzt war es möglich, im Vergleich zur Sandkerntechnik, sehr viel dünnwandigere Gefässe in einem Arbeitsgang herzustellen. Ausserdem konnte man durch Benutzung von hölzernen Einblasformen individuelle Gefässe herstellen, sowie erstmals Flachglas in Form von Butzenscheiben, die als geöffnete und flach geschleuderte Kugel oder durch Zusammendrücken einer geblasenen Kugel hergestellt wurden.

16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert entstanden die ersten Glashütten und damit die Grundlage des Glasbläser- und Glasmacherhandwerkes. Mit der Entwicklung der Glasbläserlampe (Gasbrenner) Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Bearbeitung des Glases wesentlich vereinfacht, denn man benötigte fortan keine grossen Öfen mehr, um Glas zu bearbeiten. Es entstanden in der Folge kleine Glasbläsereien, in denen in erster Linie Gebrauchsgegenstände wie z.B. Trinkgläser aber auch Kunstvolles aus Glas gefertigt wurde. Mit dem Fortschreiten der Automatisierung wurde diese Art der Serienfertigung jedoch im Laufe der Jahre mehr und mehr von Maschinen übernommen.

Heute findet die Glasbläserei im Bereich der Kunstglasbearbeitung und im Glasapparatebau ihre grössten Anwendungsbereiche.

Obsidian

Oft werden wir gefragt, ob es Glas auch in der Natur gibt: Ja, es gibt tatsächlich «natürliches» Glas! Es ist unter dem Namen «Obsidian» bekannt und entsteht bei rascher Abkühlung von Lava. Obsidian wird als Schmuckstein genutzt.

Wichtige Vorkommen: Lipari (Italien), Hassan Dag (Türkei), Ikizdere (Türkei), Landmannalaugar (Island), Jerewan (Armenien), Melos (Griechenland), Monte Arci (Sardinien), Nemrut (Türkei), Palmarola (Italien), Pantelleria (Italien), Tokajer Gebirge (Ungarn), Mount Edziza (British Columbia), Mexico City (Mexiko).

Obsidian kann leicht mit Impaktschmelzgesteinen verwechselt werden. Diese entstehen aber durch das Aufschmelzen und schnelle Abkühlen von Gestein infolge eines Meteoriteneinschlages.

Fensterglas

Fenster aus Glas? - Klar doch, aber seit wann? - Verglaste Fenster bedeuteten bis weit ins Mittelalter grossen Luxus. Fensterscheiben wurden jahrhundertelang mit der Glasmacherpfeife geblasen, aufgeschnitten und gewalzt. Die Abmessungen blieben gering, weil der Glasmacher nur eine begrenzte Menge von Glas bewältigen konnte. Fensterglas wurde hauptsächlich in Palästen, Kirchen und Gebäuden der reichen Kaufleute eingesetzt. Zu den ältesten Gebäuden mit Glasfenstern zählen in Deutschland das Kloster Tegernsee aus dem 10. Jahrhundert und der 100 Jahre jüngere Dom zu Augsburg mit den fünf Prophetenfenstern. Erst ab dem 15. Jahrhundert begann die hohe Zeit der Glasmalerei. Kirchen, Paläste, Rat-, Zunft-, Wirts- und Privathäuser erhielten Glasfenster, die mit historischen Darstellungen oder Wappen bemalt waren.

Bleikristallglas

George Ravenscroft (1618 - 1681) entwickelte das Bleikristallglas und patentierte es im Jahre 1674. Er bekam den Auftrag, eine Alternative für Kristall aus Venedig zu entwickeln. Anstelle von Pottasche benutzte er mehr Bleioxid und es gelang ihm, ein Glas von hoher Brillanz und reinem Klang herzustellen.

Borosilikatglas

Das Fundament für die moderne Glastechnologie legten zwei deutsche Wissenschaftler. Otto Schott (1851-1935), Chemiker und Glastechniker, ging der Abhängigkeit der physikalischen Eigenschaften des Glases von seiner Zusammensetzung nach. Er untersuchte den Einfluss fast aller Elemente auf die Glasschmelze.

1876 kam Otto Schott mit Ernst Abbe (1840-1905), Professor in Jena und Mitinhaber der Firma Carl Zeiss, in Kontakt. Abbe brauchte für seine hochwertigen optischen Instrumente geeignete Gläser. Es gelang Otto Schott erst nach jahrelangen, zunächst enttäuschend verlaufenden Versuchen mit der 93. Schmelzprobe ein Glas von idealer Beschaffenheit herzustellen. Er siedelte nach Jena über und gründete zusammen mit Ernst Abbe, Carl Zeiss und dessen Sohn Roderich das glastechnische Laboratorium Schott und Genossen, das spätere Jenaer Glaswerk Schott & Gen.

Das Einfärben von Glas erfolgt durch das Hinzufügen von Metalloxiden, die dem fertigen Glas seine Farbe geben:

  • Eisenoxide: Färben je nach Wertigkeit des Eisenions grün-blaugrün oder gelb und in Verbindung mit Braunstein gelb sowie braun-schwarz
  • Kupferoxide: Zweiwertiges Kupfer färbt blau, Einwertiges färbt rot, daraus ergibt sich das Kupferrubinglas.
  • Chromoxid: Wird in Verbindung mit Eisenoxid oder allein für die Grünfärbung verwendet
  • Uranoxid: Ergibt eine sehr feine Gelb- oder Grünfärbung (Annagelbglas oder Annagrünglas) mit grüner Fluoreszenz unter UV-Licht. Solche Gläser wurden vor allem in der Zeit des Jugendstils hergestellt. In England und Amerika ist diese Glassorte auch als Uranium Glas oder Vaseline Glas bekannt. Aufgrund der Radioaktivität des Urans wird es heutzutage nicht mehr verwendet
  • Kobaltoxid: Färbt intensiv blau und wird auch für die Entfärbung verwendet. Zusammen mit Aluminiumoxid liegt es als Kobaltaluminat im tiefblauen Kobaltglas vor
  • Nickeloxid: Violett, rötlich auch für die Graufärbung und zur Entfärbung
  • Manganoxid (Braunstein) als Glasmacherseife zur Entfernung des Grünstichs (durch Absorption der Komplementärfarben)
  • Selenoxid: Färbt rosa und rot, die rosa Färbung wird als ­Rosalin bezeichnet, während die rote als Selenrubin bezeichnet wird
  • Silber: Ergibt feines Silbergelb
  • Indiumoxid: Gelb bis Bernsteinorange
  • Neodym: Rosa bis Purpur, Lila
  • Praseodym: Grün
  • Samarium: Gelb
  • Europium: Intensiv Rosa
  • Gold: Wird erst in Königswasser aufgelöst und färbt rubinrot, eine der teuersten Glasfärbungen ist Goldpurpur

Glass Fusing

Glass Fusing steht für das Zusammenschmelzen verschiedener Glasstücke (englisch «to fuse»: zusammenbringen, zusammenschmelzen). Hinter dem Begriff «Glass Fusing» verbirgt sich nicht nur der Schmelzvorgang sondern auch das Formen des Glases.

Das Prinzip des Glass Fusing besteht darin, zunächst aus einzelnen Glasstücken, die neben- oder übereinandergelegt und in einem Brennofen bei über 800 Grad verschmolzen werden, eine solide Glasplatte herzustellen. In einem nächsten Schritt wird diese geformt, zum Beispiel zu einem Windspiel, einem Bild oder einer Schale, wie Sie sie in unserem Angebot finden.

Glas fordert heraus, ist anspruchsvoll, verzeiht keine Fehler und lässt sich doch unendlich vielseitig gestalten und bearbeiten. Glas geht Verbindung mit Gold, Silber, Platin ein, lässt sich bemalen, ätzen, schleifen und, und, und... - Die einzige Grenze, die Glas einem Künstler setzt, ist diejenige der eigenen Kreativität!

Es gibt gefuste Glasobjekte, die auf das 5. und 4. Jahrhundert vor Christus datiert werden. Mit dem heutigen Glass Fusing wurde in uraltes und wunderschönes Kunsthandwerk zu neuem Leben erweckt!

Glasblasen - Arbeiten an der «Lampe»

Glasbläser Arbeiten sind nur etwas für Personen, die «gerne mit dem Feuer spielen»: Glasstäbe verbiegen, Glasrohre aufblasen, Glas freihändig formen? - All dies und noch vieles mehr wird möglich, wenn man Glas an der offenen Flamme so weit erhitzt, dass es die Konsistenz von flüssigem Honig bekommt.

Wie und wann Glas dieses Stadium erreicht? - Mit Hilfe von Sauerstoff und Gas und bei Temperaturen von ca. 2'000 Grad!

Glasmalerei

Viele Glass Fusing Arbeiten sind bereits «fertig», wenn sie nach dem letzten Brand aus dem Ofen genommen werden. Andere Glasobjekte fordern den (Glas-) Künstler jedoch zur weiteren Bearbeitung heraus.

Sei es mit echtem Gold oder Platin, sei es mit «Kristalleis» oder mit etwas Farbe: Die Möglichkeiten der Glasmalerei sind so vielfältig wie diejenigen des Glass Fusing, was diese Art der Glasbearbeitung (­veredelung) zur idealen Ergänzung unserer kunsthandwerklichen Palette macht.

Was bedeutet das Wort «Glas»?

Das Wort «Glas» stammt vom germanischen «Glesum» oder «Glaesum» (gleissend, glasig) und bedeutet ursprünglich Bernstein, althochdeutsch «Glasa», den die Römer von den Germanen kauften. Später wurde das Wort von den Germanen aus dem lateinischen ins Mittelhochdeutsche zurück übernommen: «Glaseum», das eigentlich glänzend bedeutete, wurde im übertragenen Sinn für Glas verwendet.

Die 3 Vasen des Thoutmosis III

Die ältesten Vorbilder von ägyptischem Glaswerk sind drei Vasen mit den Namen von Pharao Thoutmosis III (1504-1450 v.Chr.). Den Erzählungen nach brachte er nach einigen glorreichen Feldschlachten in Asien Glasmacher als Sklaven nach Ägypten.

König Ludwig XIV

Unter König Ludwig XIV wurde in 1688 ein ­Plattengiessverfahren erfunden. Dieses ermöglichte es, ­grossflächige Glasplatten herzustellen, welche hauptsächlich für die Fertigung von Spiegeln gedacht waren. Dazu wurde eine Glasmasse durch Walzen auf einem ­Giesstisch platziert. Nach dem Erkalten des Glases schliff und polierte man die Oberflächen glatt und eben. So entstand, nach dem man eine Schicht aus bei niedriger Temperatur schmelzendem Metall angebracht hatte, Spiegelglas, ein Flachglas von guter Qualität. Frankreich förderte zu der Zeit seine Glasindustrie und begann damit sie voranzutreiben, in dem man Handwerksleute aus Venedig heranzog. - Sicherlich kein leichtes Unterfangen für diese, da es immer noch eine Verordnung gab, wonach zeitweilig die auf ­Murano angesiedelten Glasmacher für die Weitergabe der Herstellungsverfahren mit dem Tode bestraft wurden. Der französische Gerichtshof erhob seinerseits schwere Zölle auf die Einfuhr von venezianischem Glas und stellte den Glasmachern aus Venedig ein verlockendes Angebot in Aussicht: Sie erhielten schon nach 8 Jahren die französische Nationalität und wurden sogar für Ihr Leben von der Verpflichtung, Steuern zu zahlen, enthoben.